Neujahr
Die Festtage sind vorüber. Das ist schade. Es gab so viel Schönes: Freude, Spannung, Erwartung, Hochstimmung, Wertschätzung. Aber es ist auch gut, dass die Aufregung und der Stress wieder dem Normalen gewichen sind.
Noch wird mancher damit beschäftigt sein, sich die Geschenke anzuschauen und auszuprobieren. Da gibt es vielleicht bei einigen noch eine neue Überraschung: positiv oder negativ. Einige Geschenke sind vielleicht nützlicher oder besser als man zunächst dachte. (Kleider, Bücher, Cds, DVD, elektr. Geräte). Andere Geschenke sind eher ein Flop: zu billig, nicht passend, schon kaputt bevor man sie überhaupt richtig gebraucht hat. Das führt zur Ernüchterung und vielleicht zur Enttäuschung.
Jetzt muss man sich darum kümmern, dass die Reste vom Festessen verbraucht werden: Der Braten, die Beilagen, der Nachtisch und die vielen Plätzchen und Süßigkeiten. Die Geschenke müssen weggeräumt und in die Schränke verstaut werden. Dazu muss man vielleicht noch extra Platz schaffen und manches neu organisieren. Dann geht es an den Müll. Da sind die Berge von Verpackungsmaterial: Geschenkpapier, Schleifen, Kartons, Plastikbehälter und Folien. Alles will richtig eingeordnet und entsorgt werden. Die Tischdecken und Sonntagskleider sollten jetzt gewaschen oder in die Reinigung gegeben und wieder ordentlich an ihren Platz gehängt werden.
Wer noch nicht angefangen hat, der überlegt sich jetzt schon, wo er die ganze Weihnachtsdekoration lässt: den Adventskranz, den Christbaumschmuck, die Kerzen, das Lametta, die Lichterketten –bogen und -schläuche, die Sterne, Figuren, Schnee- und Weihnachtsmänner, die Krippen mit den Hirten und natürlich den Weihnachtsbaum.
Na ja, zuvor kommt aber noch Sylvester und Neujahr. Das gibt uns noch mal einen Kick. Schnell noch mal die Geschäfte stürmen. Jetzt müssen besonders Spirituosen und Böller gekauft werden. Dann noch etwas zum Essen und Feiern. Termine werden überlegt, mit wem und wie man jetzt den Jahreswechsel gebührend begeht. Möglichst da, wo viele Menschen sind, wo Musik, Lärm und buntes Treiben das Gefühl von Fröhlichkeit und guter Laune aufkommen lassen.
Mitternacht sind die Feuerwerke dran. Die darf man natürlich nicht verpassen. Für manche gehört es seit ihren Kindertagen zum Jahreswechsel, dass man tüchtig knallt. Sie haben sich mit Raketen und Knallkörpern eingedeckt. Mit vielen Freunden werden dann die Feuerwerkskörper gezündet und ihr Effekt begutachtet. Nicht selten hört man Ausrufe wie: Ohhh und Aaaah.
Wir sind am Neujahrsmorgen früh spazieren gegangen. Alles ist still. Kaum Verkehr. Im Nebel trifft man einige Gestalten: Meist alte Leute, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Aber auch verantwortliche Mitbürger, die gewissenhaft die Reste der Feierei zusammenkehren und in die vollen Mülltonnen stopfen. Man grüßt sich und wenn der andere einigermaßen Vertrauen erweckend aussieht, wünscht man ihm noch ein „Frohes Neues Jahr!“
Jetzt sieht man genau, von wo in der Nacht die ganzen Böller und Raketen kamen. Auf dem Bürgersteig, auf Hauseinfahrten und auf der Straße liegen verbrannte Patronen, Papphülsen, Verpackungspapier, Asche, verkohlte Holzreste, zerbrochenes Glas und Flaschen. Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld: Kein Leben mehr, nur Trümmer, Stille, Rückzug. Unwillkürlich steigt bei mir Ärger hoch: „Eine Schweinerei können sie hier anrichten, aber aufräumen und sauber machen haben sie wohl nicht gelernt. Dafür muss der Staat dann sorgen.“
Irgendwie befällt mich auch Bedauern, Enttäuschung, Melancholie. Das Fest ist vorbei, die Hochstimmung vorüber. Was bleibt, sind Haufen schmutziger, verbrannter Reste, die andere wegräumen müssen. Das war’s also wieder!
Wird das immer so weitergehen? Oder gibt es ein Fest, das nie endet? Eine Freude ohne Enttäuschung? Eine Feier ohne Abfall und Müllberge? Eine Hochstimmung ohne Kater? Ja, ich glaube das gibt es! Aber es ist nicht da, wo die meisten es suchen. Das wahre Weihnachtsfest feiern wir, wenn wir Jesus, das einstige Kind aus der Krippe in Herrlichkeit sehen. Das eigentliche Neue Jahr beginnt, wenn wir die Datumsgrenze unseres Lebens überschreiten und die Ewigkeit betreten. Da wird es ein Fest geben ohne Ende, ohne Bedauern, ohne Müll und bitteren Beigeschmack.
Auf dieses Fest sollten wir uns vorbereiten, danach Ausschau halten, uns darauf freuen! Dann wird es uns auch nicht so schwer fallen, den Dreck, die Sünde und unsere menschlichen Gebrechen und in der richtigen Haltung zu ertragen.
