Donnerstag, 1. Januar 2009

Neujahr

Die Festtage sind vorüber. Das ist schade. Es gab so viel Schönes: Freude, Spannung, Erwartung, Hochstimmung, Wertschätzung. Aber es ist auch gut, dass die Aufregung und der Stress wieder dem Normalen gewichen sind.
Noch wird mancher damit beschäftigt sein, sich die Geschenke anzuschauen und auszuprobieren. Da gibt es vielleicht bei einigen noch eine neue Überraschung: positiv oder negativ. Einige Geschenke sind vielleicht nützlicher oder besser als man zunächst dachte. (Kleider, Bücher, Cds, DVD, elektr. Geräte). Andere Geschenke sind eher ein Flop: zu billig, nicht passend, schon kaputt bevor man sie überhaupt richtig gebraucht hat. Das führt zur Ernüchterung und vielleicht zur Enttäuschung.
Jetzt muss man sich darum kümmern, dass die Reste vom Festessen verbraucht werden: Der Braten, die Beilagen, der Nachtisch und die vielen Plätzchen und Süßigkeiten. Die Geschenke müssen weggeräumt und in die Schränke verstaut werden. Dazu muss man vielleicht noch extra Platz schaffen und manches neu organisieren. Dann geht es an den Müll. Da sind die Berge von Verpackungsmaterial: Geschenkpapier, Schleifen, Kartons, Plastikbehälter und Folien. Alles will richtig eingeordnet und entsorgt werden. Die Tischdecken und Sonntagskleider sollten jetzt gewaschen oder in die Reinigung gegeben und wieder ordentlich an ihren Platz gehängt werden.
Wer noch nicht angefangen hat, der überlegt sich jetzt schon, wo er die ganze Weihnachtsdekoration lässt: den Adventskranz, den Christbaumschmuck, die Kerzen, das Lametta, die Lichterketten –bogen und -schläuche, die Sterne, Figuren, Schnee- und Weihnachtsmänner, die Krippen mit den Hirten und natürlich den Weihnachtsbaum.
Na ja, zuvor kommt aber noch Sylvester und Neujahr. Das gibt uns noch mal einen Kick. Schnell noch mal die Geschäfte stürmen. Jetzt müssen besonders Spirituosen und Böller gekauft werden. Dann noch etwas zum Essen und Feiern. Termine werden überlegt, mit wem und wie man jetzt den Jahreswechsel gebührend begeht. Möglichst da, wo viele Menschen sind, wo Musik, Lärm und buntes Treiben das Gefühl von Fröhlichkeit und guter Laune aufkommen lassen.
Mitternacht sind die Feuerwerke dran. Die darf man natürlich nicht verpassen. Für manche gehört es seit ihren Kindertagen zum Jahreswechsel, dass man tüchtig knallt. Sie haben sich mit Raketen und Knallkörpern eingedeckt. Mit vielen Freunden werden dann die Feuerwerkskörper gezündet und ihr Effekt begutachtet. Nicht selten hört man Ausrufe wie: Ohhh und Aaaah.
Wir sind am Neujahrsmorgen früh spazieren gegangen. Alles ist still. Kaum Verkehr. Im Nebel trifft man einige Gestalten: Meist alte Leute, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Aber auch verantwortliche Mitbürger, die gewissenhaft die Reste der Feierei zusammenkehren und in die vollen Mülltonnen stopfen. Man grüßt sich und wenn der andere einigermaßen Vertrauen erweckend aussieht, wünscht man ihm noch ein „Frohes Neues Jahr!“
Jetzt sieht man genau, von wo in der Nacht die ganzen Böller und Raketen kamen. Auf dem Bürgersteig, auf Hauseinfahrten und auf der Straße liegen verbrannte Patronen, Papphülsen, Verpackungspapier, Asche, verkohlte Holzreste, zerbrochenes Glas und Flaschen. Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld: Kein Leben mehr, nur Trümmer, Stille, Rückzug. Unwillkürlich steigt bei mir Ärger hoch: „Eine Schweinerei können sie hier anrichten, aber aufräumen und sauber machen haben sie wohl nicht gelernt. Dafür muss der Staat dann sorgen.“
Irgendwie befällt mich auch Bedauern, Enttäuschung, Melancholie. Das Fest ist vorbei, die Hochstimmung vorüber. Was bleibt, sind Haufen schmutziger, verbrannter Reste, die andere wegräumen müssen. Das war’s also wieder!
Wird das immer so weitergehen? Oder gibt es ein Fest, das nie endet? Eine Freude ohne Enttäuschung? Eine Feier ohne Abfall und Müllberge? Eine Hochstimmung ohne Kater? Ja, ich glaube das gibt es! Aber es ist nicht da, wo die meisten es suchen. Das wahre Weihnachtsfest feiern wir, wenn wir Jesus, das einstige Kind aus der Krippe in Herrlichkeit sehen. Das eigentliche Neue Jahr beginnt, wenn wir die Datumsgrenze unseres Lebens überschreiten und die Ewigkeit betreten. Da wird es ein Fest geben ohne Ende, ohne Bedauern, ohne Müll und bitteren Beigeschmack.
Auf dieses Fest sollten wir uns vorbereiten, danach Ausschau halten, uns darauf freuen! Dann wird es uns auch nicht so schwer fallen, den Dreck, die Sünde und unsere menschlichen Gebrechen und in der richtigen Haltung zu ertragen.

Freitag, 3. Oktober 2008

Jede Stimme zählt - wirklich?


Da stand der Chor mit über 100 Sängern auf der Bühne im Rampenlicht. Die Jugendlichen sangen mit Begeisterung und Freude. Es war nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide. Ich ging mit meinen Blicken die Reihen durch und war fasziniert von der Synchronisation. Auch die schwierigsten Einsätze schienen bei allen gleich zu sein. Da war keiner, der nach einer Pause alleine zu früh einsetzte. Es sah perfekt aus.
Ob die Sänger auch wirklich alle sangen, ob sie die richtige Stimme sangen, ob sie alle ihre Töne sauber trafen – das kann man ja bei so einem großen Chor gar nicht sagen. Und doch, ein guter Dirigent hört, wenn eine Person einen falschen Ton singt. – Bei 100 Leuten ist das vielleicht noch möglich – aber bei tausend? Bei zehntausend? bei einer Million? Kommt es da auch auf jede Stimme an? Macht es da etwas aus, wenn einer, oder zehn oder hundert falsch singen oder gar nicht?
Besonders wenn die Zeit der Wahlen kommt, will jede Partei ihre Anhänger zur Stimmabgabe motivieren. Die Politiker tun das dann indem sie sagen: „Es kommt auf jede Stimme an!“ Nun ja, für kleine Vereine mag das wohl gelten. Wenn da nur 20 Mitglieder sind, die einen Vorstand wählen, dann bedeutet eine Stimme gleich 5 %. Das macht sich schon bemerkbar! Aber bei 10 Millionen Wählern... Was ist da eine Stimme? Aber so etwas darf man nicht sagen! Dann heißt es sofort: „Wenn jeder so denken würde, dann gäbe es keine Demokratie!“ Oder: „Mit solch einer Einstellung stärkst du die Opposition!“ - Das mag theoretisch stimmen, aber ich finde es recht schwierig mit solchen Argumenten Leute zu überzeugen.
Eine ähnliche Situation haben wir ja auch bei der Erhaltung der Umwelt. Man will uns motivieren, umweltfreundliche Stofftaschen zu gebrauchen, anstelle der Plastiktüten. Wir sollen uns beim Autofahren eine Geschwindigkeitsbegrenzung auferlegen, damit wir Energie für unsere Nachkommen sparen und die Luft nicht so verschmutzen. Ich bin ganz dafür, dass wir Energie sparen und unsere Umwelt nicht vermüllen, aber ich finde es schwierig jemanden zu überzeugen, dass sein kleiner Beitrag etwas ausmacht. Das Verhältnis wird einem ja auch deutlich wenn man sieht, wie viel Treibstoff ein Flugzeug oder ein Rennwagen verbraucht. Und wenn man dann bedenkt, wie viele Flugzeuge unterwegs sind, wie viele Heizungen laufen, wie viele Schiffe von Erdöl getrieben werden, dann fragen wir uns doch: „Soll mein kleiner Beitrag wirklich ins Gewicht fallen?“
Noch ein Gebiet, wo wir Menschen motivieren möchten einen Beitrag zu leisten ist die Hungerhilfe in der Welt. Es kommt auf jeden Einzelnen an, beim Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit. „Auch Deine kleine Spende von 5 Euro kann ein armes Kind für einen Monat vor dem Verhungern retten.“ So wird uns vorgerechnet. Wenn wir dann aber die Menge der hungernden Menschen in Afrika, in Südamerika, in Indien und sogar im eigenen Land sehen, dann fragen wir uns doch: „Was bedeutet schon meine Spende von 5 Euro angesichts dieser umfassenden Not?“
Ich möchte niemanden davon abhalten, seinen Teil zur Erhaltung und Verbesserung der Welt beizutragen. Ja, wir haben eine Verantwortung und dürfen nicht gleichgültig sein. Was mich aber stört sind die Argumente. Sie sind schon abgenutzt und schwer zu vermitteln. Es stimmt ja: „Jede Stimme zählt“ – und „Auch Dein Beitrag ist wichtig“. Aber ich finde, es sollte noch andere und bessere Gründe geben, um Menschen zu motivieren. Besonders Christen hätten Anlass genug sich auf eine andere, richtige Autorität zu berufen. Meiner Ansicht nach sind die Gebote Gottes viel schwerwiegender als vage Kalkulationen. Gott ist mehr daran interessiert, dass wir Menschen in ihrer Not helfen, verantwortlich mit der Erde umgehen, unsere Pflicht erfüllen und den Nächsten lieben, als irgendeine Partei oder Interessengruppe. Ist uns der Wille Gottes denn so viel weniger Wert als altruistische Appelle? – Und außerdem: Woher bekommen wir die Kraft, selbstlos, gerecht und verantwortlich zu sein? Sie kommt nicht von allgemeinen Ermahnungen und Parolen. Die Kraft kommt von Gott, der uns durch die Wiedergeburt einen neuen Geist und eine neue Perspektive schenkt. Das Argument „Es kommt auf deine Stimme an!“ ist eher schwach und diffus im Verhältnis zu Gottes Wille und seiner Kraft.

Freitag, 25. Juli 2008

Familienglück

Montag, 16. Juni 2008

König Fussball

Ein schöner Sport
Was mir am Fußball so gefällt ist, dass es meistens ein sehr spannender Sport ist. Beim Skilanglauf oder beim Marathon oder bei den Springmeisterschaften geht es oft sehr ruhig zu. Da passiert lange nichts - oder man sieht den einzelnen Sportler in wechselnder Umgebung meistens in ähnlicher Position. Beim Fußball sind immerhin 22 Spieler in dauernder Bewegung. Das Bild, die Situation wechseln ständig und man weiß nie, wann eine gewisse Aktion zum Tor führt oder in einem Gegenangriff endet. Dieses Zusammenspiel zweier Teams bringt ständig neue Konstellationen - und die Spannung, ob noch ein Tor fällt, bleibt bis zur letzten Minute.
Also, für den Zuschauer ist Fußball schon eine spannende, aufregende Sache. Aber auch für die Spieler bedeutet er eine vielseitige Herausforderung. Es kommt nicht nur auf sportliches Können, auf Ausdauer, Schnelligkeit und Geschicklichkeit beim Umgang mit dem Ball an, sondern jeder Spieler muss auch einer Strategie folgen, seinen Platz behaupten und im Zusammenspiel seine Teamfähigkeit beweisen. Dazu sind besondere psychologische Qualitäten gefragt, ohne die der Sportler dem Druck der Erwartungen von Trainer, Mitspielern und Publikum nicht standhalten kann. Wer einmal Fußball gespielt hat, ist sicher für viele Situationen des täglichen Lebens besser gerüstet als andere Leute.
Was mir am professionellen Fußball weniger gefällt, sind die Auswüchse, die es, wie bei vielen anderen Sportarten auch gibt.
Der Leistungsdruck ist so hoch, dass nur noch wenige, besonders charakterfeste und trainierte Männer mithalten können. Sie müssen ihre ganze Kraft und Zeit dem Sport widmen. Einzelne können es zu Ruhm und Ehre bringen. Sie werden für hohe Summen gekauft und verkauft, was einem Menschenhandel gleich kommt. Wenn ihre Leistungen nachlassen, hat keiner mehr Interesse an ihnen. Sie werden einfach fallen gelassen.
Ein anderes Kapitel sind noch die Zuschauer. Die Fans spielen beim Sport eine große Rolle. Sie sind für das Selbstvertrauen und den Kampfgeist der Mannschaft wichtig. Sie unterstützen die Spieler und feuern sie zu Höchstleistungen an. Allerdings können ihre Äußerungen, Rufe, Lieder und Bewegungen die Männer auf dem Spielfeld auch erpressen, schinden und ausbeuten. Dabei geht aller Sportgeist verloren und Fanatismus, Hass und Gewalt beherrschen die Szene.
Was ich mich nun angesichts einer Fußballeuropameisterschaft frage ist: Wie weit sollten sich Christen auf diesen Rummel einlassen? Wie weit sollten sie sich vor dem Fernsehgerät in den Bann eines verbissenen Kampfes zweier „Gegenspieler“ (Feinde) schlagen lassen? Wie weit sollen sie es zulassen, dass ihre Gefühle, ihre Begeisterung, ihre Enttäuschung, ihr Ärger durch ein „Spiel“ extrem angeheizt werden? Wie weit sollen sie ihre Zeit, ihr ganzes Interesse, ihre Gesprächsthemen von den Wettkämpfen bestimmen lassen?
Sicher gilt es als chic, wenn auch die sonst so weltfremden Christen bei diesen Ereignissen mitreden können. Es bringt ihnen von den Nichtchristen vielleicht ein wenig Anerkennung - vielleicht aber auch nicht! Es könnte auch Türen öffnen, um mit kirchenfernen Menschen eines Tages über den Glauben sprechen zu können - vielleicht aber auch nicht.
Jedenfalls glaube ich, dass wir in der Zeit der Fußballmeisterschaften auch besonders unsere christlichen Tugenden üben können,
dass wir der Welt zeigen können, dass Fußball nicht das Wichtigste ist, was es im Leben gibt,
dass wir Mäßigung und Besonnenheit walten lassen, wenn es darum geht, die Spiele zu verfolgen,
dass wir uns auch in diesen Dingen „nicht dieser Welt gleichstellen“ (1. Joh. 2, 15 - 17) „… die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“
dass wir nicht mit allem, was uns angeboten wird, mitmachen,
dass wir uns nicht von einem Geist in den Bann schlagen lassen, der Menschverherrlichungen und Menschenverachtung provoziert,
dass wir aber auch nicht hochmütig und richterisch auf die herabsehen, denen der Fußball, der Sieg einer Mannschaft alles bedeutet.
Ich glaube, dass wir in dieser Zeit ein besonderes Maß an Weisheit und Liebe brauchen, um für unsere Mitmenschen ein Zeugnis für Jesus Christus sein zu können.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie gerade das abgeklärte Verhältnis eines Christen zu den Dingen dieser Welt mich so stark beeindruckte, dass ich anfing, Jesus zu suchen, in dem ich dann wahres Glück und übernatürlichen Frieden fand.

Freitag, 16. Mai 2008

Birma und der Weltherrscher.


Am 3. Mai 2008 gab es in Birma (Myanmar) eine furchtbare Katastrophe. Der Zyklon „Nargis“ raste mit 190 km/h von der Küste her über das Land. Dabei kam es zu 3 – 4 m hohen Wellen, die weite Teile des Landes niederwalzten und alles unter Wasser setzten. Schlimmer noch als bei dem Tsunami Weihnchten 2004 in Sumatra. Durch die Gewalt der Elemente sind nach inoffiziellen Schätzungen etwa 120.000 Menschen umgekommen und 1,5 Millionen obdachlos geworden. Das Elend und die Not sind unvorstellbar. Eltern haben ihre Kinder und Kinder ihre Eltern verloren. Nachbarn, Verwandte und Ehepartner sind verschwunden. Mehr als eine Million Menschen hat ihre Häuser und ihren gesamten Besitz eingebüßt. Die dringendste Aufgabe war zunächst, den Obdachlosen zu einer Unterkunft und Nahrungsmitteln zu verhelfen, sie vor drohenden Seuchen zu bewahren und sie gesundheitlich zu betreuen. Auf lange Sicht muss den Menschen noch beim Bau ihrer Häuser und dem Einrichten einer neuen Existenz geholfen werden.
Wie immer bei solchen Katastrophen waren gleich eine Reihe von Regierungen und Hilfsorganisationen bereit, der Not zu begegnen. Zeltunterkünfte, sauberes Trinkwasser, Medikamente, und vor allem Nahrungsmittel wurden bereit gestellt. Spendenaufrufe unter der Bevölkerungen finden in solch kritischen Situationen gewöhnlich eine überwältigende Resonanz, besonders wenn es sich um ein Entwicklungsland mit einer schwachen Ökonomie handelt. Wie schockiert ist aber die Weltöffentlichkeit, dass die Regierung von Birma keine ausländische Hilfe im Land haben möchte. Wer kann verstehen, wie Landesväter oder vernünftige, humane Herrscher solch ein Angebot ablehnen können? Wie ist es möglich, angesichts der schreienden Not der Bevölkerung und der eigenen begrenzten Mittel, ein Hilfsangebot abzulehnen?
Wer allzu schnell urteilt zeigt damit oft, dass er nicht nachdenkt oder dass er seine eigene Sicht als für alle verbindlich ansieht. Ich kann auch nicht verstehen, warum die Regierung in Birma Hilfe von außen ablehnt – und im ersten Moment scheint es mir grausam und unmenschlich zu sein. Wenn ich aber versuche, die Gründe zu erkennen, dann finde ich sicher auch Erklärungen für das Handeln der Herrscher.
Wer Hilfe annimmt, muss sich demütigen und zugeben, dass er alleine nicht fertig wird.
Er muss sich in die geheimen, schmutzigen Winkel des Landes schauen lassen.
Er muss sich u.U. Kritik und Ratschläge anhören und evtl. Bedingungen annehmen.
Er öffnet sich fremden Einflüssen kultureller, religiöser und politischer Art.
Er macht sich evtl. abhängig von anderen.

Na, es gibt sicher noch andere Gründe, die es einem schwer machen, Hilfe anzunehmen. Ich kenne ja sogar in unserer Nachbarschaft Leute, die strikt jede Hilfe ablehnen, weil sie „niemandem danke sagen möchten.“
Nun ist die Not in Birma aber keine private Angelegenheit mehr. Sie betrifft Hunderttausende von Menschen, die auch ein Recht auf Hilfe und Versorgung haben. Was macht man aber, wenn ein Herrscher oder eine Regierung sich weigert, ausländische Hilfe anzunehmen? Wir können bitten, die Türen zu öffnen, wir können an die Menschlichkeit der Verantwortlichen appellieren, wir können fordern, die öffentliche Meinung mobilisieren und einen gewissen Druck ausüben. Aber wir können sie nicht zwingen. Da ist niemand, kein Gericht und keine Autorität, welche die Regierung in Birma nötigen kann das zu tun, was wir alle für richtig halten. In solchen Momenten wird mir immer wieder deutlich, dass wir einen Weltherrscher brauchen. Jemand, der den Durchblick hat, der weiß, was richtig und was falsch ist, der auch die Autorität hat, ein Urteil zu fällen und der die Macht hat, das Recht durchzusetzen. Und ich bin froh, dass ich diesen Weltherrscher kenne. Es ist Gott der Herr, der Schöpfer und Erhalter des Universums. Er wird zu seiner Zeit die Ungerechten bestrafen, den Unterdrückten zu ihrem Recht verhelfen und dem Ehrbaren seinen Lohn zuerkennen.

Dienstag, 29. April 2008

Lob

Wer bekommt nicht gerne ein Lob? Es gefällt uns nicht nur, sondern wir brauchen es auch regelrecht. Ohne Lob verkümmern wir, unsere Lebensfreude vergeht und die Leistungen lassen nach. Wir werden reizbar und aggressiv. Das wissen doch heute alle! Zu einer vernünftigen Erziehung gehört das Lob als wichtiger Bestandteil. Ob es immer praktiziert wird, ist eine andere Frage. - Durch das Lob werden wir zu höchsten Leistungen angespornt. Wir fühlen uns geliebt, geschätzt und wertvoll in den Augen der Mitmenschen und Vorgesetzten. Mit Lob kann man viel mehr erreichen als mit Kritik, Tadel oder gar Strafen. Nicht nur Kinder brauchen das Lob, sondern genauso auch die Erwachsenen.
Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich persönlich bin dem Lob gegenüber skeptisch oder gar misstrauisch. Bei mir bewirkt es eher das Gegenteil von dem, was man sich davon erhofft. Ich sehe eine Reihe von Gefahren darin, unvorsichtig und leichtfertig zu loben.
1.- Lob macht eingebildet und stolz. Das gilt sicher nicht für alle! Wer aber die Neigung dazu hat, der meint doch gleich bei jedem Lob, was für ein überdurchschnittlicher Kerl er sei. Sein Selbstwertgefühl schwillt dann überdimensional an und er schaut auf die anderen herab. Einige Mitbürger können sicher etwas mehr Selbstbewusstsein gebrauchen, und Lob könnte sie von ihren Minderwertigkeitsgefühlen befreien. Aber viele Eltern und Erzieher wollen gerade erreichen, dass die kommende Generation mehr Selbstbewusstsein hat und Stolz auf ihre Leistungen ist. Andererseits gibt es aber schon genug Leute die meinen, sie seien das Zentrum der Welt. Man wünscht sich von ihnen, dass sie nicht so eingebildet wären.
2.- Lob macht faul! Das muss natürlich nicht sein. Aber es könnte manche durchaus zu der Meinung verleiten, sie seien exzellent und brauchten sich nicht mehr anzustrengen. Allerdings kann Lob auch das Gegenteil bewirken. Es kann zu höheren Leistungen anspornen. Da stimme ich mit den Pädagogen überein. Weil es so wohl tut, gelobt zu werden, möchten viele immer wieder gelobt werden. Sie sind bereit, sich dafür zu schinden, um die besten Leistungen zu erbringen. Aber wie gesund ist es, dauernd zu neuen Leistungen angespornt zu werden? Das zeigen uns die vielen Leute mit Burn-out oder den Folgen von Stress. So kann Lob auch eine verfeinerte Art der Ausbeutung sein, in dem es Verhalten und Leistungen provoziert, die hauptsächlich dem Lobenden von Nutzen sind - und den Gelobten ausgebeutet und erschöpft zurück lassen.
3.- Lob kann abhängig machen, das heißt, dass man „lobsüchtig“ werden kann. Wer häufig gelobt wird, ist enttäuscht und deprimiert, wenn er mal nicht mehr gelobt wird. Er braucht das Lob, um funktionieren zu können. Und die Tendenz dabei ist, dass das Lob immer häufiger, immer stärker und immer ausgefallener sein muss. Wenn das nicht so ist, fühlt sich die Person als jemand, der mit seinen Leistungen nachgelassen hat, mit dem die anderen nicht zufrieden sind, und der ein Versager ist.
4.- Lob beschämt oder verursacht Schuldgefühle. Jedenfalls ist das bei mir so. Wenn mich jemand lobt, dann denke ich gleich: „Na, so toll war die Leistung ja nun auch wieder nicht. Ich hätte es viel besser machen sollen.“ Und schon fühle ich mich schuldig, dass ich nicht perfekt bin und dass ich nicht ständig auf dem höchsten Leistungsviveaux lebe. Loben heißt ja doch auch: „Diesmal hast du es gut gemacht. Warum nicht immer so?“ Finden Sie nicht, dass in diesem Lob ein Vorwurf und eine Kritik versteckt ist?
5.- Lob enthält so etwas wie einen Richterspruch. Wer mich lobt, wird damit zur Autorität, die mich und meine Leistungen, mein Verhalten, meine Taten und Motive beurteilen und bewerten kann. Manche Leute haben sicher auch diese Autorität, mich oder andere beurteilen zu dürfen - aber nicht jeder. Geprüft, begutachtet und bewertet zu werden ist ja normal. Aber wer fühlt sich schon wohl dabei, wenn er taxiert und dann gelobt oder getadelt werden soll? Ein Lob geht aber in beide Richtungen und ist manchmal nicht viel anders als ein Tadel oder eine Kritik.
6.- Lob kann Werte vermitteln und manipulieren - besonders bei einem Kind oder abhängigen Leuten. Wenn man jemanden lobt, dann möchte man ja auch, dass diese Person ihre Qualitäten in dieser bestimmten Richtung weiter entwickelt. Sie soll fleißiger, ordentlicher, verträglicher, freundlicher etc. sein. Mit einem Lob können wir Menschen auf angenehme Weise dazu bringen, das als richtig und wertvoll an zu sehen, was wir als wertvoll ansehen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir durch Lob manipuliert werden, und zwar nicht immer zu etwas wirklich Gutem, sondern zu etwas, was der andere als gut ansieht oder was ihm nützt.
Trotz dieser Gefahren hungert die Welt nach Lob. Unsere Mitmenschen wollen wissen, wie wir sie einschätzen und dass wir Gutes an ihnen gefunden haben. Darum wollen wir uns auch bemühen, andere ehrlich und ohne Neid und Hintergedanken zu loben. Paulus lobt auch die Christen wie z.B. in 1. Kor. 11, 2 „Ich muss euch dafür loben, dass ihr immer an mich denkt und die Anweisungen befolgt, die ich euch weitergegeben habe.“

Samstag, 12. April 2008

Tarif-chaos



Eigentlich verabscheue ich das Telefonieren. Wahrscheinlich kommt es daher, dass ich vor jedem Kontakt mit einer anderen Person eine Spannung, eine Nervosität empfinde, vielleicht auch eine Angst, dass ich etwas Verkehrtes sagen könnte. Aber nun habe ich gesehen, dass heute die meisten Menschen mit einer ungeheuren Leichtigkeit kommunizieren. Viele haben irgendwo ihr Handy dabei und – ruckzuck kommunizieren sie mit was weiß ich alles für Leuten. Na ja, vielleicht geht es ja mit dem Handy auch einfacher. Ich wollte mich also mal informieren, wie das mit den Handys funktioniert und was da die Gespräche kosten. Weil ich immer den persönlichen Kontakt fürchte, gehe ich in eines der zahlreichen Geschäfte in der Fußgängerzone, die Handy anbieten. Dort will ich mir mal einen Prospekt mitnehmen und die Sache zu Hause in Ruhe studieren. Leider finde ich keinen Handzettel, sondern nur dicke, aufwendig gestaltete Hefte. Mal sehen, ob ich damit klar komme. Schon bald merke ich, dass die Sache so einfach nicht ist. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten, Fragen und Entscheidungen zu treffen. Unter dem Vorwand, mir einen ganz individuellen, auf mich zu geschneiderten Tarif anzubieten, geht es mit den Fragen los:
Wollen Sie einen Vertrag mit einer Handyfirma oder wollen Sie das Gerät kaufen und bezahlen?. – (Ich möchte Telefonieren und wissen was es kostet.)
Möchten Sie nicht gleich ein neues Handy zum Sondertarif?
Vielleicht eins mit Kamera und MP3 Spieler? Es ist alles eine Kostenfrage.
Wollen sie eine Flatrate (Pauschalbetrag) – oder jedes Gespräch einzeln bezahlen? Bevorzugen Sie prepaid oder postpaid?
In welches Netz wollen Sie denn hauptsächlich anrufen? In eines der vier Mobilfunknetze? Oder in alle? Oder lieber ins Festnetz?
Wie ist es mit SMS? Schreiben sie viele SMS-Nachrichten? Wie viele etwa? (Ich weiß ja kaum, was SMS ist).
Rufen Sie meist während der Bürostunden an? Oder nach Feierabend oder in den Nachtstunden?
Rufen Sie öfter von zu Hause oder mehr von unterwegs an?
Wollen Sie auch ins Ausland telefonieren?
Wie viele Minuten telefonieren Sie monatlich? 30 oder 60 oder 100? (Wie soll ich das wissen? Ich will eigentlich nur ganz normal telefonieren können: mal zum Arzt, mal zum Taxi, mal nach Hause, zu einem Verwandten oder Bekannten am Ort oder in einer anderen Stadt oder im Ausland.) Ich wusste gar nicht, dass es so kompliziert ist zu erfahren, was ein Telefongespräch mit dem Handy kostet. Und dass man da so viele Entscheidungen treffen muss. Wenn ich aber gedacht habe, jetzt sind alle Fragen beantwortet, habe ich mich geirrt. Es geht weiter:
Wollen sie auch einen DSL Anschluss?
Wollen Sie ihr Handy als Modem gebrauchen?
Wir können Ihnen auch ein Komplettpaket anbieten für surfen, Voip, Festnetz und Mobilfunk.
Möchten Sie mit Ihrem Handy auch E-Mails empfangen? spielen, oder Nachrichten und Infodienste abonnieren?
Möchten Sie Tagesnutzungsgebühr bezahlen oder lieber nach der Datenmenge?
Möchten Sie die günstigen Servicedienste der Mobifunknetze in Anspruch nehmen? ....

Es stimmt schon, mit dem Handy hat eine ganz neue Art vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten begonnen. Für die Industrie ist es ein Riesengeschäft und für den normalen Bürger – und vielleicht besonders für Kinder und Jugendliche - zu einer Kostenfalle geworden, die sich nicht kontrollieren lässt.
Die meisten dieser Fragen sind nämlich nonsense. Wer kann schon wissen, ob er 60 oder 100 Minuten im Monat vertelefoniert, ob eine flat rate für ihn billiger ist, als ein call by call Gespräch?
Unter dem Vorwand, einen individuellen, günstigen Tarif zu finden geschieht eigentlich folgendes:
Der Kunde wird überfordert, überwältigt und verwirrt.
Er wird vom eigentlichen Preis abgelenkt und auf unwichtige Nebengleise geführt.
Er wird dem Wissen und der Willkür des Verkäufers völlig ausgeliefert.
Es werden Kosten und Tarife verschleiert und versteckt.
Der Kunde wird durch die „besonders günstigen Tarife“ verführt, mehr und mehr zu telefonieren.
Er wird durch Verträge an bestimmte Betreiber und Unternehmen gebunden.
Durch viele Fragen werden neue Bedürfnisse geweckt.
In dem Irrgarten der Preise, Tarife und Angebote soll er hilflos werden und sich dem Vorschlag des Betreibers fügen.
Es werden Verbraucherinformationen gesammelt, um uns besser mit Werbung zudecken zu können.

Ich finde es ist an der Zeit, dass wir dem Durcheinander, der Konfusion und dem Chaos der Preise und Tarife eine Absage erteilen und wieder klaren, einfachen Aussagen unsere Sympathie zuwenden. Während ich diesen Artikel schreibe muss ich immer wieder daran denken, dass in der Bibel der Teufel auch als der große Durcheinanderbringer bezeichnet wird.

Übrigens: Auf die für mich wirklich wichtige Frage, wie ich aus dem Vertrag aussteigen könnte, fand ich in dem dicken Heft und im Internet keine Antwort.